WAS KANN EIN PFLEGEZENTRUM ZUR BETREUUNG NACH SEXUELLER GEWALT FÜR SIE TUN?

Ein Pflegezentrum zur Betreuung nach sexueller Gewalt gibt es in einigen belgischen Krankenhäusern (derzeit im Universitätskrankenhaus Gent, im CHU Saint-Pierre in Brüssel und im CHU in Lüttich). Dorthin können die Opfer sich jederzeit begeben, egal um welche Uhrzeit und an gleich welchem Tag.

Pflegezentrum für Opfer sexueller Gewalt

In einem solchen Zentrum kann ein Opfer folgende Leistungen in Anspruch nehmen: 

  • Medizinischen Beistand: Sowohl die Behandlung von Wunden und Verletzungen als auch die Untersuchung und Behandlung von Folgeschäden körperlicher, sexueller oder reproduktionstechnischer Art. 
  • Psychologische Unterstützung: Erste psychologische Betreuung (aktives Zuhören, Informationen über normale Reaktionen nach einem verstörenden Erlebnis und Umgang damit) und psychologische Begleitung durch einen Psychologen des Zentrums. 
  • Gerichtsmedizinische Untersuchung: Feststellung der Verletzungen, Suche nach Spuren des mutmaßlichen Täters, Spurensicherung für den Fall einer Anklage und eines Gerichtsverfahrens. 
  • Auf Wunsch des Opfers: Erstattung einer Anzeige bei der Polizei mithilfe eines Inspektors, der für Sittenvergehen spezifisch geschult wurde.
  • Follow-up: Medizinische Nachuntersuchung, eventuell hinsichtlich der Medikamente, die Sie einnehmen oder der Verletzungen, die Sie erlitten haben. Eine psychologische Begleitung, die Ihnen hilft, mit dem Vorfall fertig zu werden. 

Es ist erwiesen, dass die Heilungschancen bei Opfern sexueller Gewalt, die interdisziplinäre Versorgung erhielten, besser sind, dass sie schneller genesen und das Risiko, erneut Opfer von Gewalt zu werden, geringer ist.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt, jedem Opfer diese Hilfeleistungen so schnell wie möglich nach der Gewalttat zukommen zu lassen.

In den belgischen Pflegezentren zur Betreuung nach sexueller Gewalt werden diese Pflegeleistungen von spezifisch hierfür geschulten Krankenpflegerinnen der Gerichtsmedizin erbracht, die eng mit Fachärzten wie etwa Notfallärzten, Gynäkologen, Urologen, Pädiatern, Ärzte der Geriatrie und mit Psychiatern zusammenarbeiten. Die Zentren verfügen ebenfalls über spezifisch für diese Arbeit ausgebildete Psychologen.

Die Unterstützer, die ein Opfer begleiten, dürfen sich auch mit der Bitte um erste Unterstützung, Erklärungen oder Ratschläge an die gerichtsmedizinische Krankenpflegerin wenden.

Wann?

Was das PSG-Zentrum für ein Opfer unternehmen kann, hängt davon ab, wie viel Zeit seit dem Vorfall vergangen ist:

  • Wenn die sexuelle Gewalt weniger als 72 Stunden zurück liegt, kann das Opfer sich in ein Pflegezentrum zur Betreuung nach sexueller Gewalt begeben, dort anrufen oder eine E-Mail schicken. Der/die Betroffene erfährt dort unmittelbar interdisziplinäre (ganzheitliche) Hilfeleistungen.
  • Wenn die sexuelle Gewalt mehr als 72 Stunden zurückliegt, aber weniger als 1 Monat, kann das Opfer dem Zentrum eine E-Mail schicken oder dort anrufen, um einen Termin zu vereinbaren. In diesem Fall werden die Möglichkeiten einer gerichtsmedizinischen Versorgung und Untersuchung geprüft, und es wird festgelegt, welches die beste Versorgung ist. Es kann ein Termin zur Anklageerhebung vereinbart werden.
  • Wenn mehr als 1 Monat seit dem Vorfall verstrichen ist, ist es vorzuziehen, direkt im Zentrum anzurufen und einen Termin zu machen. Hier werden dann die Möglichkeiten einer medizinischen und psychologischen Versorgung geprüft. Es kann auch dann noch ein Termin zur Anklageerhebung vereinbart werden.

Wie können Sie ein Pflegezentrum zur betreuung nach sexueller Gewalt erreichen?

Als Opfer oder dessen Vertrauensperson können Sie in einem der Zentren anrufen oder eine E-Mail senden. Oder Sie begeben sich direkt (mit dem Opfer) in eines der Zentren:

  • PSG Gent : 09/332.80.80, zsg@uzgent.be; Eingang 47 des CHU Gent (UZ Gent, Corneel Heymanslaan 10, 9000 Gent); Tram 4 (letzte Haltestelle: UZ); Bus 5 (Haltestelle UZ))
  • PSG Brüssel :02/535.45.42, CPVS@stpierre-bru.be; über Rue Haute 320, 1000 Brüssel (Metro 2 und 6 : Haltestelle Porte de Hal ; Prémétro: 3 - 4 - 51 Haltestelle Porte de Hal ; Bus : 27,48 Haltestelle Saint-Pierre/Porte de Hal ; Bus De Lijn und TEC : Saint-Gilles (Porte de Hal/Blaes)
  • PSG Lüttich: 04/367.93.11, cpvs@chu.ulg.ac.be; Eingang über die Notaufnahme des CHU Lüttich : Urgences des Bruyères, Rue de Gaillarmont 600 in 4032 Chênée

Wichtige hineweise zur Sicherung von spuren nach einem Vorfall sexueller Gewalt

  1. Kommen Sie direkt ins PSG-Zentrum. Sie sollten wissen, dass nach 72 Stunden nur wenige oder überhaupt keine Spuren übrig bleiben, die für eine gerichtsmedizinische Untersuchung verwendbar wären.
  2. Nehmen Sie keine Dusche und waschen Sie sich nicht! Selbst wenn dies dasjenige ist, was Sie am liebsten tun würden.
  3. Versuchen Sie, nichts zu trinken und spülen Sie Ihren Mund nicht aus, wenn es einen oralen Kontakt gegeben hat.
  4. Versuchen Sie, nicht auf die Toilette zu gehen, und sollten Sie doch Wasser lassen müssen, fangen Sie den Urin in einem kleinen Behälter auf und bringen Sie ihn ins Zentrum mit.
  5. Vermeiden Sie körperlichen Kontakt zu anderen Personen.
  6. Lassen Sie die Kleidung an, die Sie während des sexuellen Übergriffs trugen oder stecken Sie sie in eine Papiertüte und bringen Sie sie zum Zentrum mit. Verwenden Sie bitte keine Plastiktüte!
  7. Wenn es Betttücher gibt, auf denen sich Spuren des mutmaßlichen Täters (Sperma oder andere) befinden könnten, bringen Sie auch diese in eine Papiertüte verpackt ins Zentrum mit.
  8. Falls Sie sich nach der sexuellen Gewalttat mit einem Papiertuch oder mit etwas anderem gesäubert haben, oder falls Sie eine Damenbinde in Ihren Slip gelegt haben, legen Sie auch diese in eine Papiertüte und bringen Sie sie mit ins Zentrum.
  9. Bringen Sie Wechselkleidung und ein zweites Paar Schuhe mit. Nach der gerichtsmedizinischen Untersuchung dürfen Sie im Zentrum duschen und sich umkleiden. (Wenn dies nicht möglich ist, keine Sorge! Sie erhalten auch im PSG andere Kleidung oder jemand darf sie Ihnen bringen).

BETREUUNG DER UNTERSTÜTZER

Die Unterstützer, sowie das (familiäre Umfeld) der Lebensgefährte, Freunde, haben jederzeit die Möglichkeit, dem PSG eine E-Mail zu senden oder anzurufen, um Ratschläge oder Unterstützung zu erhalten.

 

Falls die Psychologin des Zentrums gemeinsam mit dem Opfer entscheidet, dass es ratsam ist, mit einer Therapie zu beginnen, kann es sein, dass man Sie als Unterstützer/in mit hinzu zieht. Sie erhalten dann ebenfalls Erläuterungen zur ins Auge gefassten Therapie. 

 

In jedem PSG-Zentrum werden auch Informationsveranstaltungen organisiert. Während dieser Versammlungen, erhalten die Unterstützer sowie der Partner, die Eltern, das Kind oder der/die Freund(in) Ratschläge, wie mit der Situation umzugehen ist. Weitere Informationen über die Daten dieser Informationsversammlungen erfahren Sie im PSG-Zentrum.